Wenn dich Wut oder Anspannung erfasst, frag statt „warum?“ einmal: „Wo genau spüre ich das?“ Du findest einzelne Empfindungen – Druck, Wärme, Herzklopfen. Schon das Suchen wechselt die Position: vom Mittendrin zum Beschreiben. Und es öffnet eine erstaunliche Frage: Wer oder was ist es eigentlich, das da sucht und findet?
Bardon versteht den Geist als unsterblich und vom Körper verschieden: Er wohnt im Körper, ohne mit ihm identisch zu sein. Das ist seine hermetische Lehre, kein Kursbeweis. Prüfbar ist aber ein feiner Unterschied: Die Wut hat Orte – Brust, Kiefer, Hände. Doch versuch, den Ort des Bemerkens selbst zu finden. Vielleicht findest du einen gefühlten Ort des Bemerkens, vielleicht nicht. Beides ist zunächst eine Beschreibung deines Erlebens, keine Entscheidung über den Sitz des Geistes.
Was folgt daraus? Vorsicht vor schnellen Schlüssen in beide Richtungen. Dass ich keinen Ort des Bemerkens finde, beweist weder eine unsterbliche Seele noch das Gegenteil – vielleicht suche ich nur falsch. Aber die Ortsfrage leistet etwas Praktisches: Ein Gefühl genauer zu beschreiben eröffnet eine andere Perspektive als „ich bin ganz Wut“. Ob dadurch Abstand entsteht, kannst du selbst beobachten.
Quellenbezug: Bardon · Akasha und Geist. Die Entfaltung und Denkfrage sind unsere didaktische Bearbeitung.
Deine Denkfrage: Wo sitzt die Ruhe – und wo das Bemerken der Ruhe?
Hier geht es um Textverständnis oder Entscheidungen im Beispiel, nicht um ein Glaubensbekenntnis.
Wer fragt „wo ist es?", schaut von außen, und ist nicht mehr mittendrin.
Du kannst beispielsweise Druck oder Wärme bemerken. Du musst dem Gefühl keinen einzigen Ort zuordnen.
Benennen und Verorten können Abstand schaffen. Prüfe selbst, ob sich etwas verändert — auch ein unverändertes Gefühl ist ein gültiges Ergebnis.
Beim nächsten Ärger heute: statt „warum macht der das?!" frag „wo fühle ich das gerade?" und scanne kurz den Körper. Schau, ob sich dadurch etwas verändert.
Freiwillig und in deinem Tempo. Die Belohnung für diesen Versuch wird nur einmal vergeben.