Stilles Sitzen ist das Training, der Alltag das eigentliche Spiel: ruhig bleiben, während es brennt. Zum Abschluss dieses Blocks gehört aber eine größere Frage, die die Quellen dieses Kurses ernst nehmen: Worauf zielt solche Übung letztlich – auf einen besseren Tag oder auf etwas, das über dieses Leben hinausreicht?
Hier gehen die Quellen auseinander, und das ist lehrreich. Bardon versteht den Tod als Übergang in feinere Ebenen und lässt offen, ob die Individualität im Einswerden mit Gott bestehen bleibt – eine individuelle Wahl. Abd-ru-shin dagegen hält sogar einen geistigen Tod für möglich: die Auflösung des Persönlichen. Die mögliche Aufgabe der Individualität bei Bardon und ihr möglicher Verlust bei Abd-ru-shin sind verschiedene Vorgänge; beides darf nicht zu einer allgemeinen Trostformel werden. Die Frage, was von mir bleiben soll, ist damit offen – und ernst.
Gewissheit haben wir hier nicht; Hoffnung ist etwas anderes als Wissen, und beides darf nebeneinander bestehen. Gerade deshalb verdient dieses eine Leben Schutz und Sorgfalt – wer über den Tod nachdenkt, würdigt das Leben, statt es gering zu achten. Und die Alltagsfrage bleibt bestehen: Wenn Erinnerungen, Rollen und Besitz nicht mitgehen, was übst du dann eigentlich, wenn du mitten im Sturm ruhig bleibst?
Quellenbezug: Bardon · Gottesnähe, Individualität und Tod · Abd-ru-shin · Wechselwirkung und Fortbestehen. Die Entfaltung und Denkfrage sind unsere didaktische Bearbeitung.
Deine Denkfrage: Was an dir wäre dir am wichtigsten zu bewahren – und warum?
Hier geht es um Textverständnis oder Entscheidungen im Beispiel, nicht um ein Glaubensbekenntnis.
Die stille Übung ist das Fitnessstudio. Nützlich, aber nicht das eigentliche Spiel.
Beobachter bleiben, während der Körper arbeitet, tippt, redet. Innen still, außen aktiv.
Jeder schwere Moment ist eine Trainingseinheit, kein Feind, sondern dein bestes Übungsfeld.
Beim nächsten Stress-Moment heute: leg innerlich den Schalter um. Sag dir „das hier ist mein Übungsfeld", beobachte den Stress und mach ruhig die nächste kleine Sache. Wichtig: Das gilt für einzelne Momente — bei Dauerüberlastung ist Verändern und Hilfeholen der richtige Weg, nicht Aushalten.
Freiwillig und in deinem Tempo. Die Belohnung für diesen Versuch wird nur einmal vergeben.